Trotz düsterer Wirtschaftswachstumszahlen verzeichneten deutsche Hersteller den ersten monatlichen Anstieg der Bestellungen seit sechs Monaten.
Das Statistische Bundesamt (Destatis) gab am 6. August bekannt, dass die Industrieaufträge in Europas größter Volkswirtschaft im Vergleich zum Vormonat um 3,9 % gestiegen sind. Analysten hatten mit einem deutlich geringeren Anstieg von 0,5 % gerechnet.
Für die Industrie – das Rückgrat der deutschen Wirtschaft – wurde der Anstieg im Juni laut Destatis vor allem durch Inlandsaufträge getragen, die um 9,1 % zulegten. Die Auslandsnachfrage stieg hingegen nur um 0,4 %.

Die Automobilindustrie bleibt ein wichtiger Motor des deutschen Wirtschaftswachstums. Foto: Getty Images
Ungeachtet dessen sind dies gute Nachrichten, nicht nur für die Hersteller, sondern auch für eine Wirtschaft, die am Rande einer technischen Rezession steht, nachdem sie im zweiten Quartal 2024 um 0,1 % geschrumpft ist, was die Konjunkturstimmung beeinträchtigt hat. Da eine technische Rezession als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit sinkendem BIP definiert ist, werden die Zahlen des dritten Quartals entscheidend sein.
Die Automobilindustrie bleibt der Haupttreiber.
Laut Destatis stiegen die Auftragseingänge im Automobilsektor im Juni um 9,2 Prozent und bleiben damit ein wichtiger Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft.
Unternehmen der Metallverarbeitung sowie der Flugzeug-, Schiffs- und Zugindustrie verzeichneten ebenfalls einen Anstieg der Aufträge um 12 %. Im Computer-, Elektronik- und Optiksektor ging die Zahl der Aufträge hingegen um 7,9 % zurück.
Nach den neuesten Daten von Destatis läge dieser Wert ohne einige Großaufträge, die stark schwanken können, bei 3,3 %.
Ein Jahresvergleich zeigt weniger Gründe für Optimismus in der Branche: Die Auftragseingänge sind im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr (Juni 2023) um 11,8 % gesunken.
Das Bundeswirtschaftsministerium erklärte, dass die Industrie trotz einer Verbesserung der jüngsten Produktionszahlen aufgrund pessimistischer Geschäftserwartungen im verarbeitenden Gewerbe voraussichtlich weiterhin träge bleiben werde.
„Angesichts des anhaltend niedrigen Niveaus der Auslandsaufträge erwarten wir in naher Zukunft keine breit angelegte wirtschaftliche Erholung“, so das Ministerium.
„Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass alles in Ordnung ist.“
Die Einschätzung der Bundesregierung deckt sich mit den Ansichten von Experten. Auch der Wirtschaftswissenschaftler Jupp Zenzen von der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) erklärte, dass trotz des Auftragsanstiegs im Juni „leider kein Grund zur Annahme besteht, dass alles in Ordnung ist“. Der Experte bezeichnete das erste Halbjahr 2024 insgesamt als „enttäuschend“.
„Die deutsche Industrie läuft Gefahr, aufgrund einer Reihe struktureller Probleme, wie hoher Kosten, bürokratischer Verfahren und eines Mangels an Fachkräften, an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren“, sagte Zenzen und fügte hinzu, dass auch die Energiepreise weiterhin Anlass zur Sorge gäben.
Destatis teilte mit, dass die Auftragseingänge im zweiten Quartal dieses Jahres, von April bis Juni, im Vergleich zum vorangegangenen Quartal (Q1 – von Januar bis März) um 1,4 % gesunken sind.
Angesichts der deutlichen Rückgänge in den Vormonaten könnte der Anstieg im Juni laut HSBC-Ökonomin Anja Sabine Heimann lediglich eine Bodenbildung und kein nachhaltiger Trend sein.
„Der Druck auf die Industrieproduzenten bleibt hoch, und eine Kapazitätserweiterung ist in naher Zukunft unwahrscheinlich. Daher gehen wir davon aus, dass wir noch einige Zeit auf eine solide Erholung der deutschen Fertigungsindustrie warten müssen“, bemerkte Frau Heimann.
Minh Duc (Basierend auf DW, WSJ, Xinhua)
Quelle: https://www.nguoiduatin.vn/kinh-te-duc-nhan-tin-tot-nhung-van-chua-the-lac-quan-204240808210238082.htm







